Wien. Internationales Expertentreffen berät selbstkritisch über die Zukunft der Zeitung.

Medienmacher sehen die Nachrichtenvermittlung über das Internet kritisch. Beim Europäischen Zeitungskongress „European Newspaper“ inWien sagte der deutsche Zukunfts- und TrendforscherMatthias Horx, dass man mit dem Internet zwar viele Menschen schnell erreichen kann. Zugleich aber wachse eine neue antidigitale Skepsis über Wert und Gehalt des Mitgeteilten. „Die Menschen merken, dass ihnen das Smartphone die Seele raubt. Zudem ziehen sich viele, auch Prominente, inzwischen wieder aus dem Netz zurück, weil sie es leid sind, angepöbelt und angehasst zu werden“, soHorx am Montag zum Auftakt des internationalen Expertentreffens.

Die Befürchtung, das Internet könne die gedruckte Zeitung ersetzen oder verdrängen, habe sich als falsch erwiesen. „Vinyl, Polaroidfotos, das alles kehrt zurück. „Jeder Trend erzeugt einen Gegentrend. Die Wahrheit liegt in der Mitte“, sagte Horx. Zeitungen dürften einerseits das Digitale nicht ignorieren, sich aber auch nicht von dessen Alarmismus, Oberflächlichkeit und Scheinaufmerksamkeit anstecken lassen. Den Vorwurf der „Lügenpresse“ bezeichnete Horx als rechtsradikalen Kampfbegriff. In einer stark gespaltenen Leserschaft stehe aber auch die Glaubwürdigkeit der Medien auf dem Spiel. Der Wissenschaftler plädierte für mehr Achtsamkeit in den Medien. Statt die pessimistische Grundstimmung mit negativen Sensationsmeldungen zu befördern, sollten Medien die Sehnsucht bedienen nach Einordnung, Orientierung und nach einer Autorität, die das glaubwürdig kann und tut. „Konstruktiver Journalismus, der Lösungen anbietet statt zu spalten und zu skandalisieren, ist gefragt“, so Horx. Journalisten und Medienmacher aus vielen europäischen Ländern beraten in Wien über die Zukunft der Zeitung. Durchgängiges Thema ist dabei die Glaubwürdigkeit von Journalismus. Bei einem von ehemaligen TA-Chefredaktuer Paul Josef Raue moderierten Podium ging es am Nachmittag um Pegida in Sachsen und die Konsequenzen für die Berichterstattung.Einmal mehr werden während des Kongresses die besten Zeitungen mit den begehrten Zeitungsoscars „European Newspaper Award“ geehrt. Unter den Preisträgern ist auch unsere Zeitung, die am Dienstag für die Berichterstattung über 25 Jahre deutsche Einheit einen Award of Excellence erhält.