Erschienen auf medianet am 26. Mai 2017

… nannte Bundeskanzler Kern den kritischen ­Journalismus beim European Newspaper Congress.

Von Gianna Schöneich

WIEN. Der Festsaal im Wiener Rathaus war voll besetzt, als Stadtrat Andreas Mailath-Pokorny seine Begrüßungsrede zum European Newspaper Congress am Montag, 22. Mai, hielt.

Die erste Keynote des Tages hielt Bundeskanzler Christian Kern. Er bezeichnete sich selbst als Großabnehmer der Produkte der anwesenden Journalisten und erklärte, Politik und Medien wären in Österreich derzeit in einer Spirale des Populismus gefangen.
Zum Verhältnis von Politik und Medien erklärte Kern: „Eine Politik, die die Pointe sucht, und Medien, die diese Pointe willfährig aufnehmen.” Medien würden die realen Lebensverhältnisse der Menschen nicht mehr abbilden, und Newsrooms seien von einer rein quantifizierbaren, algorithmusgetriebenen Sichtweise getrieben. Um den derzeitigen Entwicklungen entgegenzutreten, sei die Politik gefragt, die den Journalismus konsequent stärken müsse.
Thesen für modernen Verlag

Kern befasste sich auch mit den Ressourcen und den immer kleiner werdenden Redaktionen und zollte diesen seinen Respekt. ­Außerdem erklärte er, die Reform der Presseförderung sei sicherlich eines der schwierigsten Themen in Österreich.

Im Anschluss an den Bundeskanzler stellte Julia Jäkel, Chief Executive Officer des Gruner + Jahr Verlags, ihre Thesen für einen modernen Verlag vor. Beispielsweise: „Strategie ist gut, Wachsamkeit ist besser” oder „Journalismus erlebt einen neue Wertschätzung”.
Weitere Keynotes des Tages stammten unter anderem von Gerrit Klein, Chief Executive Officer Ebner Verlag, Thomas Lindner, Vorsitzender der Geschäftsführung FAZ sowie ­Patrick Kammerer, Director Public Affairs and Communications Coca-Cola. Am Dienstagabend fand außerdem das Winners Dinner statt; die Dinner Speech hielt Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der Zeit. Im Rahmen dieser Abendveranstaltung wurden Preise an die besten Zeitungen des Jahres übergeben.
Award of Excellence.

Die Auszeichnung „European Newspaper of the Year” erhielten die Lokalzeitung Hufvudstadsbladet (Helsinki), die Regionalzeitung Het Parool (Amsterdam), die überregionale Zeitung ­Politiken (Kopenhagen) und die Wochenzeitung Frankfurter Allgemeine ­Sonntagszeitung (Frankfurt am Main).

Am Dienstag sprachen wieder Top-Speaker; außerdem wurden der Award of Excellence an die Main-Post aus Würzburg mit einem Award of Excellence für ihre Social Media-Aktivitäten verliehen.