Erschienen auf mt.de am 25. Mai 2017

Wien/Minden (mt.) Zukunftskonzepte und Bedrohungen, Fake News und Social Media, PR und Content Marketing, Marktmacht und Ordnungspolitik, Digitalisierung und Data Mining, Newsrooms und Videoberichterstattung, vor allem aber immer wieder: Wert und Bedeutung des professionellen Journalismus in einer immer unübersichtlicher werdenden Welt – darüber debattierten Referenten und Teilnehmer des 18. European Newspaper Congress zwei Tage lang in Wien.

Österreichs Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) etwa hielt sich in seiner Auftaktansprache zwar nicht mit Kritik an den Medien zurück, sah aber gleichzeitig die Politik in starker Mitverantwortung für eine von der gemeinsamen „Pointensuche“ nach der zugespitzten Schlagzeile getriebene „Spirale des Populismus“. Gleichwohl werde Journalismus als „Immunsystem der Demokratie“ in der digitalisierten Welt wichtiger denn je. Eine Überzeugung, die auch von zahlreichen weiteren Sprecherinnen und Sprecher unterschiedlicher Welten immer wieder unterstrichen wurde: Auch Zeitschriften- und Fachverlage, PR-Abteilungen, Gründer, Blogger und Startup-Förderer waren auf dem Podium vertreten.

Wie moderne Zeitungen – gedruckt und digital – heute nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch ansprechend und überzeugend um ihre Leserinnen und Leser werben sollten, dazu gibt es in den unterschiedlichen Regionen Europas sehr verschiedenartige Ansätze und Rezepte – aber auch gemeinsame Trends. Dass Qualitätsmedien auch gestalterisch anspruchsvoll daherkommen müssen, ist Grundlage der Arbeit für die international besetzte Jury – 15 Mitglieder aus neun Ländern – des mit dem Kongress von Beginn an verknüpften Zeitungswettbewerbs um den „European Newspaper Award“. Er benennt jährlich eine Lokal-, eine Regional-, eine überregionale sowie eine Wochenzeitung als „European Newspaper of the Year“, diese Preise gingen 2017 nach Helsinki („Hufvudstadsbladet“), Amsterdam („Het Parool“), Kopenhagen („Politiken“) und Frankfurt („Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“).

Außerdem verlieh die Jury in insgesamt 19 Kategorien wie „Cover und Coverstory“, „Nachrichtenseiten“, „Fotografie“, „Visual Storytelling“, aber auch „Konzept/Innovation Online“, „Online und Crossmedia“, „Social Media“ und „Apps“ sogenannte „Awards of Excellence“ als Auszeichnung für besondere Qualität. 191 Zeitungen aus 27 Ländern hatten sich mit Wettbewerbsbeiträgen beteiligt.

Für das Mindener Tageblatt gab es Auszeichnungen in den Kategorien „Cover und Coverstory“ (für die Titelseite und innenliegende Berichterstattung zum 3. Oktober, hier war das MT unter den Lokalzeitungen der einzige deutsche Preisträger), „News Pages/Elections“ (für die Titelseite nach der baden-württembergischen Landtagswahl am 15. März), „Cut“ (für drei verschiedene Titelseiten mit besonders gelungenem Bildschnitt), „Visual Storytelling“ (für eine Panoramaseite der Nachrichtenredaktion über die Entwicklung des Biermarktes), „Alternative Storytelling“ (für eine Panoramaseite der Lokalredaktion zur Hochwasserproblematik in Minden), „Typography“ (für das übersichtliche Erscheinungsbild und die Lesbarkeit der gedruckten Zeitung) sowie „Concept/Innovation Online/Multimedia Storytelling“ für eine Multimedia-Reportage zur Öffnung der Jakobsberg-Stollen.

Dass sich das MT im europäischen Vergleich sehen lassen kann, wurde ihm in Wien nicht zum ersten Mal bestätigt: Im vergangenen Jahr war es mit vier Awards bedacht worden, im Jahr davor (noch im alten Layout) mit zwei. Schon zum zweiten Mal erhielt es jetzt eine Auszeichnung für innovative Online-Projekte.