Erschienen auf standard.at am 22. Mai 2017

Atmosphäre der Partnerschaftlichkeit sei wichtiger – Facebook brauche einen „Verantwortungsbooster“

Wien – „Die Zeit der Großverlage ist vorbei. Over.“ Das attestiert Julia Jäkel, Chefin des deutschen Großverlags Gruner+Jahr (G+J) beim European Newspaper Congress in Wien. Freilich dürften Verlage noch groß sein und G+J war über Jahrzehnte von Erfolg verwöhnt und habe „manchmal ein bisschen den Dicken markiert“.

Heute sei es aber essenziell, Partnerschaftlichkeit zu leben und ein Unternehmen zu sein, mit dem man gerne zusammenarbeite. Wie es der Küchengerätehersteller Vorwerk tat, als er auf G+J mit der Idee für ein eigenes Magazin zur Multifunktionsküchenmaschine Thermomix zukam. „Essen und Trinken mit Thermomix“ erscheint seit 2016 nicht ohne Erfolg.

Frauen ziehen moderne Männer an

Weiterer Knackpunkt für einen „modernen Verlag“ nach Jäkels Vorstellung: „Kreativität braucht Atmosphäre“. Tatsächlich stünden hinter den Innovationen bei G+J „kein wirklicher Prozess“. Vielmehr habe Kreativität mit Vertrauen in die eigene Mannschaft zu tun – die bei G+J immer diverser würde: 48 Prozent der Chefredakteure von G+J-Medien seien Frauen. Das sei ohne konkrete Vorgaben passiert und ziehe auch „moderne Männer“ an.

G+J sei digital gut aufgestellt, weil es Auftritte um seine „starken Marken“ baue, sagt Jäkel. „Es gibt hier wirklich keinen US-Player, der uns die Butter vom Brot nimmt“. Angesichts von Hasspostings, Gewaltinhalten und gefälschter Nachrichten brauche Facebook allerdings einen „Verantwortungsbooster“.

Lese man, was Facebook-Gründer Mark Zuckerberg schreibt, brauche man „schon sehr viel guten Willen, um zu glauben, dass er seine Verantwortung schon erkannt hat“, sagt Jäkel. Facebook erhebe mittlerweile Anspruch „auf das gesamte soziale Gefüge“. Es sei zwar gut, groß zu denken, man müsse aber auch entsprechend Verantwortung übernehmen. (sefe, 22.5.2017)