
European Editors Forum
Gegen staatliche Hilfe für Zeitungsverlage hat sich am Dienstag vormittag der Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, Uwe Vorkötter, beim “European Editors Forum” im Rahmen des “European Newspaper Congress” in Wien ausgesprochen. Stattdessen sieht er die Bertelsmann-Stiftung in der Pflicht, sich stärker zu engagieren in der Frage, wie Pressequalität trotz Wirtschaftskreise erhalten und gestärkt werden kann.
Vorkötter plädiert für sinnvolle Kooperationen von Zeitungen zum Beispiel beim Layout und mit einem gemeinsamen Redaktionssystem, so wie es die überregionale FR im Verbund mit den Regionalzeitungen im Dumont-Verlag (u.a. Kölner Stadt-Anzeiger, Mitteldeutsche Zeitung, Express) seit rund einem Jahr vormacht. Das Profil der Zeitung leide nicht darunter, solange Leitartikel und die redaktionelle Grundausrichtung aller Titel voneinander unabhängig bleiben. Von welchem Titel die Autoren bezahlt werden, sei letztlich zweitrangig, wenn insgesamt die Qualität gestärkt werde. Manche Interviews mit Filmstars oder Sportprofis gebe es eher, wenn mehrere Titel hinter der Anfrage stünde.
Peter Stefan Herbst, Chefredakteur der Saarbrücker Zeitung, ist ähnlicher Meinung: “Gemeinsam können wir einen Korrespondentenpool in Berlin unterhalten, und der hat mehr Gewicht als ein einzelner Journalist.” Zum Verlag der Saarbrücker Zeitung gehört auch die Lausitzer Rundschau. Für bedenklich hält Herbst die schleichende Erosion des Solidarmodells dpa, zumal redaktionelle Ressourcen für Basistexte gebunden würden, wenn Journalisten angehalten sind, selbst zu schreiben, was früher die Agentur geliefert hat. Das kostet Zeit, die Herbst lieber exklusive Recherchen investiert sähe. Den Spagat zwischen Quantität und Qualität findet Matthias Geering, Chefredakteur der Basler Zeitung besonders problematisch. Anstatt den Abo-Preis zu erhöhen oder an der Qualität zu sparen, habe man lieber den Seitenumfang reduziert. Doch eine einfache Lösung sei dieser Weg nicht, bekennt Geering. Einerseits erwarten jüngere Leser, dass die Tageszeitung nicht nacherzähle, was sie aus dem Internet längst wissen. Andererseits habe das Blatt viele ältere Leser, die von “ihrer” Zeitung immer noch eine umfassende Rundum-Information erwarten. Eindeutiger bekennt Vorkötter die Notwendigkeit der Ausrichtung auf eine gut informierte Leserschaft: ”In der Tageszeitung steckt immer noch zuviel ‘tagesschau’ drin.
Christian Ortner, Chefredakteur der Voralberger Nachrichten, will die Zeitung dagegen genau umgekehrt als Überblicksmedium ausbauen. 20 Minuten Zeitung lesen liefere dem Durchschnittsnutzer viel mehr Informationen als 20 Minuten im Netz. Geering ist der Meinung, dass Verlage gerade jetzt antizyklisch in Entwicklung investieren müssen. Vorkötter schränkt ein: Die FR wolle zwar in Autoren investieren – allerdings erst, wenn die Krise überstanden ist. Ohne die momentane Konjunkturlage hätte die FR laut ihrem Chefredakteur im diesem Jahr nach jahrelangen Sparmaßnahmen in diesem Jahr zum ersten Mal schwarze Zahlen geschrieben. Herbst betont, wie wichtig es sei, den Lesern gerade jetzt mit einer Qualitätsoffensive zu signalisieren, dass ihr Zeitungsabo unverzichtbar sei, zumal ein Abo ein Jahr im voraus bezahlt teuer sei: “Nichts spart für den Konsumenten so schnell Geld wie der Click auf die Abo-Kündigung.” Für geradezu einen Sündenfall hält er Werbung auf der Titelseite. Denn die prominente Platzierung signalisiere: ”Das Interesse der Werbekunden ist wichtig. Die Interessen der Leser sind unwichtig.”


