Themen 2012

European Editors Forum 2012

Die Angst und die Medien – wie viele schlechte Nachrichten vertragen die Menschen?

Europa und der Euro, die arabische Revolution, der Iran und die Atombombe, Fukushima … 2011 war ein Jahr der Katastrophen. War es auch ein Jahr der Medien oder schalten sich unsere Kunden einfach weg? Schützen sie sich? Wie viele schlechte Nachrichten brauchen die Medien? Wie viele schlechte Nachrichten vertragen die Menschen?

Führende Journalisten aus ganz Europa diskutieren über Verantwortung und Selbstschutz der Medien.

Diskussionsleitung: Rainer Nowak, Co-Chefredakteur der Presse, Wien
Carsten Erdmann, Chefredakteur Berliner Morgenpost, Berlin
Felix Müller, Chefredakteur NZZ am Sonntag, Zürich
Waltraud Langer, Chefredakteurin ORF, Wien
Prof. Jürgen Grimm, Universität Wien
Cornel Binder-Krieglstein, Vize-Präsident des Berufsverbandes Österreichischer Psychologen, Wien

Wie „Digital first“ den Workflow verändert

Warum ein neuer Newsroom auch ein neues Denken verlangt und welches Potenzial noch in vielen Newsrooms schlummert.

Inzwischen hat fast jede Redaktion einen modernen Newsroom, doch nur wenige nützen auch die neuen Möglichkeiten. Zum einen verändert „Digital first“ den Workflow wesentlich stärker, als von vielen angenommen wird, und zum anderen wird das Potenzial eines modernen Newsrooms bei Weitem seltener ausgeschöpft, sowohl in der Organisation als auch bei den Inhalten. Visuelles Denken ist noch immer in vielen Redaktionen kaum verbreitet.

Welches Potenzial in neuen Newsrooms steckt und wie dieser Schatz hebbar wird, zeigt Juan Antonio Giner, Gründer und Präsident von Innovation in London.

Case Study 1: Die Entschleunigung der Tageszeitung

„Berlingske“, Dänemark, Europas überregionale Tageszeitung des Jahres

Welche Pläne Chefredakteurin Lisbeth Knudsen für die Zukunft hat und wie sie ihre herausragende Position halten will.

Skandinavien gilt bei Zeitungsmachern als eine der wichtigsten Kreativschmieden der Welt. Mit Recht! Im Vorjahr war „Politiken“ aus Kopenhagen Europas Tageszeitung des Jahres. Dieses Jahr geht diese Auszeichnung erneut nach Kopenhagen – dieses Mal an „Berlingske“, Dänemarks älteste heute noch erscheinende Tageszeitung.

„Berlingske“ wurde 2011 vollkommen neu gestaltet, weg von einem hektischen Tabloid-Layout mit vielen kurzen Beiträgen, hin zu einer entschleunigten Zeitung mit längeren, vertiefenden Texten in einem ruhigen, vierspaltigen Layout. Die Bilder sind in der Größe ausgewogen. Einige Sektionen wie der Wirtschaftsteil und ein Wochenend-Journal liegen als Pull-out in der Mitte. Hier wird stärker mit Fotoreportagen, Illustrationen und aufgelockertem Layout gearbeitet. Mit diesem klaren Auftritt erhebt sie den Anspruch an eine moderne und innovationsfreudige überregionale Zeitung.

Die dänische Zeitung erscheint im Tabloid-Format und hat eine Auflage von 98.000 Exemplaren. 100 Journalisten, 16 Fotografen und zehn Layouter arbeiten bei „Berlingske“.

Chefredakteurin Lisbeth Knudsen und Artdirector Per Heilmann informieren in Wien über das Konzept von „Berlingske“, warum Entschleunigung und Tageszeitung kein Widerspruch sind, welche Pläne das Kopenhagener Medienhaus für die Zukunft hat und wie es seine herausragende Position halten will.

Case Study 2: Was lehrt uns der Sonntag?

„NZZ am Sonntag“, Schweiz, Europas Wochenzeitung des Jahres

Chefredakteur Felix E. Müller über die Arbeit in einem Zeitungsmarkt, dem es noch richtig gut geht.

„Das Ende ist nah“, hört man von vielen, die für die Zeitung auf gedrucktem Papier schwarzsehen. Die „NZZ am Sonntag“ beweist das Gegenteil: in den letzten drei Jahren konnte sie die Auflage um 10.000 Exemplare steigern. Was macht sie anders als die anderen Zeitungen? Nur auf der Titelseite und der ersten Doppelseite werden aktuelle Nachrichten angeboten, allesamt kurz. Danach liefert sie ihren Lesern weitgehend lange Artikel, die in großzügiger Spaltenbreite und mit einem klaren Seitenlayout lesefreundlich präsentiert werden. Ist das schon alles? Und was lässt sich davon auf die Tageszeitung übertragen?

Chefredakteur Felix E. Müller berichtet in Wien über sein Verständnis als Blattmacher und seine Erfahrungen, was sich Leser wünschen.

Die „NZZ am Sonntag“ hat eine Auflage von 130.000 Exemplaren und erscheint im Berliner Format. Die Zeitung hat 41 Redakteure, zwei Art-Direktoren und fünf Layouter. Die Bildredaktion umfasst vier Personen.

Case Study 3: Zeitungmachen im Haifischbecken

„Berliner Morgenpost“, Deutschland, Europas Regionalzeitung des Jahres

Chefredakteur Carsten Erdmann über einen Zeitungsmarkt, in dem es keine Gnade gibt.

Zeitungmachen im Haifischbecken Berlin: Visual Storytelling, Vollformat, Tabloid-Format, redaktioneller Verbund mit anderen Zeitungen des Axel-Springer-Konzerns – das sind die Stichworte, über die Carsten Erdmann, Chefredakteur der „Berliner Morgenpost“, sprechen wird. Besonders interessant sind die Erfahrungen aus einem Projekt, bei dem die Zeitung für einige Wochen sowohl im Vollformat als auch im Tabloid-Format erschienen ist.

Die „Berliner Morgenpost“ hat eine Auflage von 123.963 Exemplaren. Die Zeitung wird im Nordischen Format produziert. Zeitlich befristet erschien sie im Spätsommer und Herbst 2011 auch im Tabloid-Format – begleitend zur Wahlphase in Berlin. Die Zeitung wird in einem redaktionellen Verbund mit der Welt-Zeitungsgruppe der Axel Springer AG produziert.

Case Study 4: Visual Storytelling bei einer Minizeitung

„Hordaland“, Norwegen, Europas Lokalzeitung des Jahres

Vidar Herre macht statt einer Tageszeitung täglich eine lokale Illustrierte.

„Hordaland“ in Norwegen hat einen einfachen Trick: Die Tageszeitung will eigentlich gar keine Tageszeitung sein, sondern vielmehr ein tägliches Magazin. Selten findet man eine so konsequente und professionelle Umsetzung dieser Idee. „Hordaland“ startet auf der Titelseite mit großen Bildern, die dann täglich zu einer zwei- bis sechsseitigen Coverstory in das Innere leiten. Diese Lokalzeitung setzt ganz auf Visualisierung: Aussagekräftige große Bilder und klares Layout sind die Stichworte.

„Hordaland“ hat eine Auflage von nur 9.500 Exemplaren. Bei der Zeitung arbeiten zehn Redakteure, zwei Fotografen und zwei Layouter. „Hordaland“ wird im halben Nordischen Format hergestellt und ist geheftet.

Vidar Herre, Fotojournalist und Layout-Designer, zeigt in Wien beispielhafte Seiten, die viel über das Visual Storytelling erzählen.

Case Study 5: Ein Jahr „löchrige“ Paywall – eine Zwischenbilanz

Als eine der ersten europäischen Zeitungen setzt „Le Temps“ seit Januar 2011 auf die „löchrige“ Paywall und macht dabei extrem gute Erfahrungen. Wohin geht die Reise bei „Le Temps“ und wie weit ist man bei Tablets und Smartphones? Wie viel Zukunft gibt man Print?

„Le Temps“ ist bei einer Auflage von 42.433 Exemplaren eine der weltweit kleinsten Qualitätszeitungen. Mit einem Minietat schaffen Redaktion und Verlag trotzdem immer wieder erstaunliche Innovationen.

Case Study 6: 50 Paywalls im Nutzercheck: Wofür Menschen bezahlen – und was durchfällt

Seit einem Jahr gibt es in der Slowakei ein nationales Paywall-System, das unter dem Dach der Piano Media inzwischen 50 verschiedene Bezahldienste anbietet. Seit Kurzem wird dieses System auch in Slowenien erprobt. Wofür sind die Leser bereit zu bezahlen und was interessiert sie nicht? Wie viel Geld geben sie dabei im Durchschnitt aus? Welche Rolle spielt der Preis? Und was bedeutet es, wenn Konkurrenten am Markt plötzlich zusammenarbeiten?

Tomáš Bella von Piano Media verantwortet das System. Er berichtet in Wien über die bisher gemachten Erfahrungen und die Pläne für die Zukunft.

Zukunft Paywall: Was dürfen Zeitungen im Internet kosten?

Die Erlössituation vieler Zeitungen ist prekär: Zum einen stagnieren die Verkaufszahlen, zum anderen sind die Anzeigenerlöse rückgängig. Höchste Zeit also, die Strategien zur Festlegung der Verkaufspreise zu prüfen. Gefragt sind Ansätze, die das Optimum herausholen – ohne dabei die Auflage zu gefährden. Dies betrifft aber nicht nur die klassische Printausgabe: Die Frage wie ePublishing-Formate und auch Websiteinhalte zukünftig auch jenseits von Anzeigenerlösen zu Geld gemacht werden können, ist ein hochaktuelles Thema.

Florian Bauer erklärt Inhalte, Methoden und Erkenntnisse zu diesen Themen anhand zahlreicher Fallbeispiele.

Was machen Regionalzeitungen im Internet falsch? Und wie könnte daraus eine Erfolgsgeschichte werden?

Was ist so schwer am Internet? Wie Regionalzeitungen endlich den Anschluss finden.

Noch immer sind viele europäische Regionalzeitungen nicht im Internet-Zeitalter angekommen. Eine höchst gefährliche Situation für die Zukunft vieler regionaler Medienhäuser. Die Druckauflagen bröckeln, die Online-Zugriffe dümpeln dahin. Woran liegt es? Am Geld? An den Ideen? Am Journalismus? Die Amerikaner sind inzwischen deutlich weiter. Ulrike Langer präsentiert ausgewählte Online-Angebote amerikanischer Regionalzeitungen – und zeigt die wichtigsten Erfolgsfaktoren.

Twitter, Facebook, Internet, Zeitung – wo, wie, was, wann?

Eine Anleitung für moderne Medienmacher.

Immer mehr Redaktionen bespielen alle Kanäle. Doch nur wenige schaffen das koordiniert, konzentriert und intelligent. Dabei wäre das gar nicht so schwierig. Michael Praetorius erklärt, wie Redaktionen bei gleichem Einsatz von Ressourcen effizienter und erfolgreicher arbeiten.

Aus Lesern Verbündete machen

Wie Soziale Medien bei der investigativen Recherche helfen.

Eigene, exklusive Geschichten machen jede Zeitung, jeden Online-Dienst unverwechselbar. Sie schaffen Aufmerksamkeit und Gewicht. Zugleich sind sie für jede Redaktion nur mit großer Mühe zu erarbeiten und noch schwerer ist, gar eine Regelmäßigkeit zu erreichen. Seit mehreren Jahren setzt der „Guardian“ gezielt Soziale Medien bei der journalistischen Aufklärung ein – und hat damit enorme Erfolge. Schon 2009 hat Chefredakteur Alan Rusbridger mit der Leseraufforderung, die Spesenausgaben des eigenen Abgeordneten zu überprüfen, das Internet für die Aufklärung genützt (http://mps-expenses.guardian.co.uk/). Zahlreiche weitere Aktionen hat es in der Zwischenzeit gegeben. Bei welchen Formen helfen Soziale Medien bei der Recherche? Was sind die Regeln? Mercedes Bunz, ehemalige Technologieredakteurin des „Guardian“, erläutert die Erfahrungen und zeigt, welche Ideen auch für kleinere Medien praktizierbar sind.

Europas Zeitungstrends 2012 – die Entdeckung des Visual Storytellings

Wie begegnen Europas Zeitungsmacher den Herausforderungen der Zukunft? Norbert Küpper, Gründer und Veranstalter des European Newspaper Award, analysiert die aktuellen Entwicklungen anhand von 100 Beispielen.

Europas Zeitungen entdecken das Visual Storytelling, das Erzählen von Geschichten mit visuellen Mitteln. Selbst Lokalteile werden inzwischen mit großem gestalterischen Aufwand gemacht. Auf Doppelseiten wird dabei über die geplante Neuverlegung von Bahngleisen berichtet oder über die Bebauung von Brachflächen. Einen einheitlichen Trend gibt es bei Europas Zeitungen in diesem Jahr nicht. In jedem Land bauen Neuerungen auf Traditionen auf. Viele Zeitungen setzen allerdings auf Seriosität und Ruhe, die durch relativ breite Spalten erzielt werden. Eine Entwicklung zum Boulevard-Layout oder zu trashigem Inhalt gibt es nirgends. Verlangsamt ist der Trend zum Tabloid-Format, natürlich auch, weil es in einigen Ländern Europas keine Zeitungen im Vollformat mehr gibt.

Europas beste Zeitungen – das Galadinner

Qualität im Journalismus ist keine Einbahnstraße. Warum wir auch in Zukunft Zeitungen brauchen.

Guy Côté arbeitete als Journalist für die Canadian Broadcasting Corporation und später als Sprecher für den Kanadischen Premierminister.

Biografischer Überblick

  • Die manchmal kontroversen Ansichten dieses Redners sind das Ergebnis seiner Tätigkeiten in den Bereichen Journalismus, Politik und Wirtschaft – dies verpflichtet ihn, alle unterschiedlichen Interessen zu berücksichtigen.
  • Guy Côté, ein Journalist von Beruf und TV-Nachrichtenmoderator, absolvierte über 15 Jahre lang verschiedene Aufgabenbereiche als Parlamentarischer Korrespondent bei der Canadian Broadcasting Corporation (CBC) in Kanada und im Ausland.
  • Er arbeitete fünf Jahre als Pressesprecher und Kommunikationsdirektor für einen kanadischen Premierminister, bevor er die Öffentlichkeitsarbeit im Bereich Media Relations und Krisenkommunikation für Unternehmen, Gewerkschaften, einige NGOs sowie Regierungen übernahm.
  • Er ist Dozent und Autor über Kommunikationsthemen, der nun den Bereich Global Media Relations für JTI, ein Unternehmen mit einer Präsenz in 120 Ländern, leitet.

Sponsoren 2012

     

                                           


Bilder 2012

European Newspaper Congress 2012 – Get-together (Sonntag)