Themen 2014

Lasst uns umdenken!

Google-News-Chef Richard Gingras über die Veränderung der Medien in Zeiten der Digitalisierung und was das für Verleger, Journalisten und die Gesellschaft bedeutet und welche neue Chancen uns das bietet.

Change Prozesse in Medienhäusern – die Tücken und Chancen

Warum der Wandel unserer Branche professionelle Kommunikation braucht. Und was dabei in jedem Fall beachtet werden sollten.

Veränderungen erlebte die Medienbranche über Jahrzehnte hinweg höchstens in kleinen Dosen. Umso brutaler wirken nun die massiven Umbrüche, die viele Häuser in ihrer Existenz bedrohen. Und auf die wichtigsten Fragen nach der Zukunft gibt es in Wirklichkeit noch keine endgültigen Antworten. Das schafft enorme Verunsicherung. Am meisten bei den Mitarbeitern. Dabei sollte Change gleich Chance sein. Auch wenn das bisher für die meisten Medienhäuser nicht notwendig war: Um einigermaßen sicher durch diese extrem schwierige Phase zu kommen, braucht es professionelle Kommunikation und eine kluge Führungsstragie. Wolfgang Rosam wird in Wien erklären, warum manche Change Prozesse wunderbar gelingen und andere wiederum total daneben gehen. Und auf welche Besonderheiten Medienhäuser achten müssen.

Investieren statt resignieren – Mit Mut und Neugier Medienhäuser umbauen

Wenn nichts mehr so ist wie es war, dann muss alles gedacht und versucht werden, was sein könnte. Der Change Prozess bei der NZZ.

Die Zeit der einfachen Lösungen ist vorbei. Anstatt wie bisher Anzeigen und Abos zu verkaufen, werden Medienhäuser künftig viele Ertragsquellen benötigen. Medienhäuser müssen viel stärker verkaufsgetrieben werden. Sie brauchen eine bisher noch nie dagewesene Technologiekompetenz. Und sie werden dafür zwingend aus anderen Branchen Wissen und Mitarbeiter zukaufen müssen. Das wird alles viel Geld und Geduld kosten, analysiert Veit Dengler. Vor allem braucht es aber eine neue Unternehmenskultur, die Fehler erlaubt. Denn wir werden noch viele Fehler sehen, bevor wir zu den richtigen Lösungen kommen. Davon ist der neue NZZ-CEO überzeugt.

NZZ-CEO Veit Dengler erklärt in Wien den Change Prozess bei der NZZ und was dieser für Redaktion bedeutet.

Der neue Roboter-Journalismus. Wie automatisierte Hilfstruppen klassische Redaktionen unterstützen

Ein neuer Mix aus Automatisierung und Spezialisierung setzt sich durch: Start-up Unternehmen aus Deutschland, Finnland und Irland leisten, was klassische Nachrichtenzulieferer alleine nicht mehr schaffen: Sie entdecken, sortieren, organisieren, produzieren und verbreiten exklusive Inhalte, egal ob aktuelle Fotos, relevante Videos, ansprechende Infografiken oder die wichtigsten Tweets aus dem unendlichen Stream von Twitter – jeweils zugeschnitten für unterschiedliche Zielgruppen. Der ENC 2014 präsentiert in einem Special erste Ergebnisse dieser neuartigen Kooperationsmodelle.

1. Scoopshot (Finnland):

www.scoopshot.com macht es möglich, schneller, gezielter und exklusiver als früher Fotos zu beschaffen – und das in den meisten Fällen auch deutlich günstiger. Der Dienst basiert auf dem Prinzip des Crowdsourcing. Mehrere hundertaused freie Fotografen laden per Smartphone Fotos hoch und bestimmen ihre Preise. So generiert Scoopshot immer neue Bilder, mit deren Hilfe Redaktionen Geschichten entwickeln können. Medienkunden sind u.a. Metro, WAZ, 20minutes.fr, Holtzbrinck (Der Tagesspiegel/Potsdamer Neueste Nachrichten) und die Deutsche Welle. Auch Konsumentenmarken wie Heineken, Nokia und sogar Google nutzen Scoopshot.

2. Tame (Deutschland):

http://tame.it steigert den Nutzen von Twitter, so dass der Kurznachrichtendienst nutzergerecht durchsucht und redaktionell sinnvoll eingesetzt werden kann. Tame sortiert Tweets nach Themen und Hashtags, Benutzerkonten, Relevanz und anderen Kriterien. Die Daten werden fortlaufend über einen Zeitraum von 24 Stunden gespeichert. Zu den ersten Kunden von Tame zählen die New York Times, die BBC oder Zeit Online. In Wien soll eine neue Technologie für Verlage vorgestellt werden, die Interaktionen von Followern analysiert und den Einfluss misst, den Twitter auf sie hat.

3. Datawrapper (europaweit):

www.datawrapper.de dient der Visualisierung von Daten aller Art. Er dient Nachrichtenredaktionen, die unter großem Zeitdruck arbeiten. Redakteure können innerhalb weniger Minuten detaillierte und aussagekräftige, interaktive Grafiken anfertigen und diese leicht in sämtliche ihrer digitalen Produkte integrieren. Datawrapper kann auch problemlos an individuelle Stilvorlagen und in bestehende Arbeitsabläufe integriert werden und ermöglicht auch reibungslose Digital-to-print Lösungen. Der Dienst wird seit 2012 international von zahlreichen Medien genutzt: u.a. Guardian, Twitter, Der Standard, NZZ, Der Spiegel, Die Welt, Washington Post, Fairfax Media. Eine Basisversion steht  kostenfrei zur Verfügung, die Anpassung und Integration in das CMS von Kunden wird berechnet. 2012 gewann Datawrapper den African News Challenge Award und 2013 den Best-startup-for-news Award des GEN www.globaleditorsnetwork.org.

4. Niiu (Deutschland):

www.niiu.de ist eine Tablet App, die für Nutzer ein redaktionelles Angebot aus den Inhalten unterschiedlicher Zeitungsmarken bündelt und wie eine individualisierte digitale Tageszeitung genutzt werden kann. Niiu ist damit ein bisher einmaliges Hybridmodell für Nutzer, die sich ein “Crossover” verschiedener Quellen und Ressorts wünschen. Für einzelne Medienmarken stellt es zugleich einen weiteren attraktiven Vertriebsweg neben Einzel-, Abo- und Sonderverkauf sowie Apple- und Android-Kiosken. Niiu kooperiert bereits mit 30 Zeitungsmarken, u.a. mit Axel Springers BILD, Welt und Hamburger Abendblatt, mit der NZZ oder Holtzbrincks Tagesspiegel.

5. Retresco (Deutschland):

www.retresco.de bietet Verlagen ein Stück schöne neue Welt, indem er die Arbeit von Redaktionen automatisiert – und Journalisten durch Rechnerleistung ersetzt. So werden Themen und Begriffe per Algorithmus im Netz (oder anderen Quellen) aggregiert, semantisch ausgewertet, Inhalte automatisch zusammengestellt und verbreitet. Die Lösungen von Retresco variieren von Kunde zu Kunde: In einem Fall entstehen Themenseiten, im anderen Antworten auf die Fragen von Lesern oder Kunden. Über die Automatisierung hinaus ist es das Ziel, das Engagement der User und die Relevanz in Suchmaschinen zu steigern. Kunden sind u.a. United Internet, N24, FAZ.net, Rheinische Post Digital, Augsburger Allgemeine, Südwest Presse Online, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und das deutsche Ministerium für Gesundheit.

6. text-on (Deutschland):

www.text-on.de hebt die Schätze, die in weltweit rasant wachsenden Datenbanken lagern, für Unternehmen, Verbände und Medien. Relevante Inhalte werden in Zahlenwüsten aufgespürt und in für Menschen leicht verständliche Textformen gegossen. Um dies für die komplexe deutsche Sprache zu realisieren, arbeitet text-on mit Wissenschaftlern des Fraunhofer Instituts zusammen. Das Unternehmen setzt dabei nicht auf Lückentexte, sondern baut die menschliche Sprachbildung nach. text-on produziert mit einem Prototypen Meldungen aus der Fußball-Bundesliga und sucht nun Investoren zur Weiterentwicklung des Angebots. Vorbild des Geschäftsmodells sind die im Englischen bereits erfolgreichen Angebote von Narrative Science und Automated Insights.

7. teleocon (Deutschland):

tevine, das teleocon virtual newsroom system, ist ein nutzerfreundliches System, das es ermöglicht, die Arbeit ganzer Redaktionen rein virtuell vom PC, Tablet oder Smartphone aus zu organisieren. Inspiriert von „LiquidFeedback“, der Entscheidungsfindungsplattform der deutschen Piratenprtei, ermöglicht es mehr Transparenz und Demokratie in Redaktionen – und das bei deutlicher Straffung der Arbeitsabläufe. Physische Anwesenheit ist nicht mehr erforderlich: Jeder Mitarbeiter kann von jedem Ort auf der Welt aus vollständig am Redaktionsgeschehen teilhaben. Sämtliche Entscheidungen werden in tevine rechtssicher dokumentiert. CvDs, Chefredakteure, Programmdirektoren und Verleger können etwaige Probleme im redaktionellen Workflow sofort identifizieren und auf einfache Weise lösen.

tevine hat unter anderem die Entwicklung von CENTURIO ermöglicht, einem innovativen Online-Männermagazin, das mit nur 44 Bachelor-Studierenden einer Berliner Hochschule in weniger als 12 Wochen aus dem Boden gestampft worden ist und selbst in China Beachtung gefunden hat.

Journalisten sind auch nur Fußballer – aber wie werden sie zu einer richtigen Mannschaft?

Journalisten und Profi-Fußballspieler haben viel mehr gemeinsam, als das auf den ersten Blick scheint. Sie sind im besten Fall starke Persönlichkeiten mit großen Fähigkeiten. Das qualifiziert sie damit allerdings nicht automatisch für die Teamarbeit. Und doch entscheidet fast immer die Mannschaftsleistung über Sieg oder Niederlage, auch in einer Redaktion. Nur ein starkes Team sichert die Vorherrschaft am Platz. Wie lässt sich eine Mannschaft formen? Welche Aufgabe hat der Kapitän, in unserem Fall der Chefredakteur? Wie bereitet man seine Journalisten am besten vor – konditionell und mental?

Prof. Hans-Dieter Hermann spricht in Wien über Teambuilding – auch in der Redaktion.

Case Study “Freunde von Freunden”: Wie erzeugt man Bedeutung in einer vernetzen Gesellschaft

Das Berliner Magazin FvF berichtet über kreative und urbane Menschen in aller Welt – und hat eine unverwechselbare Community und ein Geschäftmodell geschaffen.

“Communities” sind in aller Munde – doch wie sie richtig funktionieren und wie sie sich in rentable Geschäftsmodelle verwandeln lassen, das kann in deutschsprachigen Medienhäusern kaum jemand erklären. Umso mehr beeindruckt es, was die Gründer von FreundevonFreunden.com aufgebaut haben: Sie starteten 2009 in Berlin als unabhängiges Online-Magazin über den urbanen Lifestyle kreativer Menschen, und sie repräsentieren heute eine äußerst facettenreiche Medienmarke. Ihre große virale Stärke resultiert aus einem einzigartigen Mix aus Qualitätsjournalismus (Identität), sozialer Interaktion (Sharing) und ECommerce (Demand creation). Ähnlich wie im Fall von Vice zählt zum Unternehmen eine Kreativagentur und eine Produktionsfirma, die der Vermarktung dienen. Dass FreundevonFreunden konsequent auf bestechende journalistische Qualität in Wort und Bild, Audio und Video gesetzt hat, zahlt sich heute auch in der engen Zusammenarbeit mit etablierten Medien wie der ZEIT aus: www.zeit.de/serie/freunde-von-freunden
In Wien berichtet Zsuzsanna Toth, FreundevonFreunden, wie man mit journalistischen Mitteln eine sehr begehrte Kundengruppe erschließt.

Case Study “NRC Reader”: Eine neue Erfolgsformel? Weniger Nachrichten für mehr Geld

Wie die NRC Group in Amsterdam mit ihrer App erfolgreich Nachrichten verknappt und nebenbei einen interessanten Weg gefunden hat, Qualitätsjournalismus mit Native Ads zu kombinieren. Im Februar 2013 startete die niederländische Zeitungsgruppe NRC ihre Bezahl-App “NRC Reader”. Mehr als 11.000 Leser haben die App bisher abonniert, bereits nach neun Monaten hatte das Projekt seinen Breakeven erreicht. Das Abo kostet 5,99 Euro im Monat oder 59,99 Euro im Jahr. Leiter war von Beginn an Ward Wijndelts, der die App in enger Zusammenarbeit mit Jelle Prins und dessen Team in der Agentur Moop in Amsterdam entwickelte. Das Resultat ist in vieler Hinsicht beeindruckend: Der “NRC Reader” besticht durch seine klare Bedienerführung, sein Design, die Bildsprache – und vor allem durch das begrenzte Nachrichtenangebot: Jeden Tag werden nur 7 bis 9 Geschichten in mittlerer Länge präsentiert, darunter immer häufiger auch kontextuelle Anzeigen. NRC Reader verbindet also Qualitätsjournalismus mit Native Ads – klassische Display Werbung gibt es nicht. Und die Zugriffe zeigen: “Die Leser akzeptieren diese Form der Werbung”, sagt Ward Wijndelts und er resümiert: “Die Menschen wollen weniger und bezahlen dafür mehr!” Wenn er Recht hat, hätte eine wichtige neue Erfolgsformel für Zeitungsverlage gefunden: “Less is more.” (Mies van der Rohe)

NRC-Projektleiter Ward Wijndelts und Agenturchef Prins Jelle informieren in Wien über die Erfahrung nach einem Jahr NRC-Reader und welches Potential noch in dem jungen Projekt steckt.


Bilder 2014

European Newspaper Congress 2014 (Montag)

European Newspaper Award 2014 – Winnersdinner (Montag)


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